Bevor ich mich entschloss, mit diesem Blog anzufangen, hatte ich eigentlich vor, meine Botschaft anders unter die Leute zu bringen. Nachdem ich mit A.s optimierter Ernährung so viele Fortschritte erreicht hatte, schrieb ich beispielsweise gezielt Eltern in Foren für entwicklungsverzögerte und behinderte Kinder an. Mütter und Väter, die auf der Suche nach einer Lösung oder zumindest Linderung für das Problem ihres Nachwuchs schon regelrecht verzweifelt waren und sich nun „dankbar für jeden Tipp“ umhörten.
Ich dachte lange Zeit, dass dies die beste Anlaufstelle wäre und andere Eltern beeinträchtigter Kinder mir schon allein deshalb zuhören würden, weil der Leidensdruck besonders hoch war. Viele von ihnen waren auch von Seiten der Ärzte enttäuscht; vor allem, wenn etwa verordnete Medikamente überhaupt keine Besserung brachten oder, ganz im Gegenteil, die Dinge noch verschlimmerten.
Doch ich hatte offenbar zu hoch auf meinem eigenen Ross gesessen und geglaubt, es wäre ganz easy, das Konzept einer vollwertigen und möglichst ursprünglichen Ernährung einfach so unter die Leute zu bringen. Leider lag ich damit total falsch.

Verwirrung statt klarer Leitlinien

Denn natürlich, sobald man das Wort Ernährung in den Mund nimmt, nicken viele gleich eifrig und sagen: „Oh ja, das glaube ich auch, dass das total wichtig ist.“ Und sie glauben es womöglich wirklich, schlichtweg, weil der gesamten Gesellschaft dieses Statement ja nun schon seit langer Zeit gebetsmühlenartig indoktriniert wurde. Gleichzeitig wissen viele aber dennoch nicht, was gesunde Ernährung in der Tiefe denn nun bedeutet. Die Forschung hierzu ist sehr schnelllebig und diverse Dinge, die früher mal als richtig anerkannt wurden, gelten heutzutage nicht mehr (beispielsweise die Low Fat-Ära der 1980er Jahre). Gleichzeitig gibt es zu viele widerstreitende Strömungen, die in Summe noch mehr verwirren, anstatt Orientierung zu bieten: Die einen preisen den Veganismus als gesündesten Lifestyle, die anderen schwören auf Paleo. Wieder andere machen einen riesigen Bogen um Gluten oder andere Nahrungsbestandteile, und dann gibt es noch jene, die mit ketogener Diät und Intervallfasten die besten Ergebnisse erzielen. Ich nehme vorweg: Ich denke, dass viele dieser Strömungen im Kern richtige Ansätze haben, allerdings aber auch einige Prinzipien, die ich gerade bei der Förderung von behinderten Kindern für problematisch halte. Aber dies gehört nochmal in einen ganz eigenen Post.

Zu viel Stress & zu wenig Zeit

Das andere große Problem bleibt, die Empfehlungen zu einer ausgewogenen Ernährung auch in den Alltag zu integrieren. Anders als in den Urgesellschaften sind die meisten Familien heute Inseln: Man schlägt sich mit der Kinderbetreuung überwiegend allein durch und ist froh, wenn man seinen Job ganz nebenbei auch noch irgendwie gewuppt kriegt. Nach einem langen Tag sind viele Eltern einfach zu ausgelaugt, um noch etwas Selbstgekochtes, Vollwertiges auf den Tisch zu stellen. Erst recht, wenn die Kinder mäkelig sind und ihr gedämpftes Gemüse auf dem Teller nur angeekelt beäugen.
Natürlich ist es da einfacher, schnell mal Lieferando für eine Ladung Pizza in die Spur zu bringen oder die Familienpackung Dinonuggets aufs Backblech zu werfen.
Ich selbst bin jedoch der Auffassung, dass das Selberkochen für die Familie gut investierte Zeit ist, weil alle davon dauerhaft profitieren – nicht zuletzt eben beeinträchtigte Kinder, die eine besonders dichte Nährstoffversorgung ganz einfach brauchen. Und wenn das selbstgemachte Abendessen am Zeitmanagement scheitert, muss man sich vielleicht von anderen Dingen auf der To-Do-Liste verabschieden, die einfach weniger wichtig sind.

Alles eine Frage der Planung

Zumal man sich auch das Kochen mit ein wenig Organisation und Planung deutlich einfacher machen kann. Anstatt bei Fast Food-Anbietern zu bestellen, kann man seinen Wocheneinkauf bei Rewe und Co. genauso per Mausklick erledigen. Auch Drogerien wie dm bieten mittlerweile praktische Lieferdienste an. Niemand ist also mehr gezwungen, nach Feierabend wie Richard Kimble auf der Flucht die Supermarktregale auf der Suche nach dem letzten Bio-Brokkoli abzugrasen. Und übrigens sind auch Meal Prep oder Einfrieren völlig legitime Möglichkeiten, um Zeit und obendrein auch noch Geld zu sparen. Denn ja, gute Lebensmittel sind teuer und werden immer teurer. Doch wer alle Einkäufe verwertet und verschiedene Rezepte gut kombiniert, wird sicherlich besser haushalten als jemand, der regelmäßig zur (verhältnismäßig günstigen) Dönerbox greift.

Gesundes Kochen erfordert heutzutage einfach etwas mehr Voraussicht und Konsequenz, denn unsere Zeit ist knapp und ständig lauern links und rechts neue UPF (Ultra Processed Foods)-Verlockungen, die versprechen, uns den Großteil des Jobs abzunehmen. Aber leider tun sie das nicht – ganz im Gegenteil: Wer seinen (gesunden wie beeinträchtigten) Kindern regelmäßig hochverarbeitete Lebensmittel gibt, schadet ihnen damit. Der Mensch wird durch schlechtes, billig produziertes und mit Chemikalien durchsetztes Essen ganz einfach krank. Und dies gilt es gerade bei Kindern mit besonderen Förder- und Gesundheitsbedürfnissen unbedingt zu vermeiden.

Hinterlasse einen Kommentar