
Bevor ich euch dieses Rezept vorstelle, muss ich vielleicht erstmal einen Schritt zurückspringen und erklären, was eine Poutine überhaupt ist. Dieses kanadische (genauer: quebec`sche) Nationalgericht spricht sich genauso wie der russische Machthaber, hat inhaltlich mit ihm aber zum Glück so gar nichts zu tun. Stattdessen ist Poutine in Kanada das, was für Italien die Pizza oder für Deutschland die Curywurst ist: Ein schneller Imbiss und im Grunde genommen ein Arme-Leute-Essen, das irgendwann mal aus Resten und einer guten Portion Kreativität entstanden ist.
Die klassische Poutine ist um ehrlich zu sein nicht gerade eine gesunde Mahlzeit, zumal sie nur aus drei Zutaten besteht: Pommes Frites, brauner Bratensauce und sogenannten Cheese Curds, einem sehr jungen Cheddar-Käse. Aber das hindert uns ja nicht daran, sie einfach ein bisschen gesünder zu machen:
Die Zutaten (für 4 Personen):
- circa 2 Kilo Wurzel- und Knollengemüse (Kartoffeln, Karotten, Rote Bete, Pastinaken)
- gutes Olivenöl extra vergine
- getrocknete Kräuter (z.B. Thymian, Rosmarin, Oregano, Majoran)
- Paprikapulver
- Salz
- Pfeffer
- 400-500g Cheese Curds, alternativ junger Gouda, Mozzarella oder auch Halloumi eignet sich sehr gut
Für die Sauce:
- 1 große Zwiebel
- 1-2 Knoblauchzehen
- 300g Champignons
- 1 EL Butter
- 1 EL Olivenöl
- 1 EL Mehl
- 250ml Milch
- 200ml Gemüsebrühe
- getrocknete oder frische Kräuter (zB. Thymian oder auch Petersilie)
- Salz
- Pfeffer
Den Backofen bei 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Das Gemüse gründlich waschen, wenn nötig schälen (zB. die rote Bete) und in 1-2 cm dicke Spalten schneiden. Das geschnittene Gemüse auf dem Backblech mit dem Olivenöl und den Gewürzen vermengen, bei Bedarf zusätzlich salzen und pfeffern. Anschließend für circa 40-50 min in den Ofen geben, zwischendurch circa alle 15 min wenden, um eine gleichmäßige Bräunung zu erzielen.

Inzwischen Zwiebeln und Knoblauch fein hacken, Champignons putzen und in feine Scheiben schneiden. Alles mit dem Olivenöl und der Butter bei mittlerer Hitze in der Pfanne für circa 10 min dünsten, bis die Pilze ihr Wasser verloren haben und die Zwiebeln glasig sind.
Nun das Mehl hinzufügen, kurz in der Pfanne mit dem Fett vermengen und dann etappenweise die Milch hinzufügen. Währenddessen immer weiter rühren, um Klumpenbildung beim Eindicken zu vermeiden. Anschließend ebenfalls die Gemüsebrühe in Portionen hinzufügen, bis die gewünschte Saucenkonsistenz erreicht ist. 5 min köcheln lassen und währenddessen mit Salz/Pfeffer und Kräutern nach Belieben verfeinern.

Den Käse nach Geschmack in mundgerechte Streifen schneiden oder hobeln.
Auf einem Teller zuerst das Ofengemüse anrichten und dann den Käse obendrauf geben. Zum Schluss mit der heißen Champignon-Sauce übergießen und sofort servieren.
Nützliche Zusatzinfos:
Damit aus diesem Fast Food-Klassiker ein gesundes Gericht wird, steckt der Teufel ein bisschen im Detail. In dem ursprünglichen Rezept werden meist schnöde Tiefkühlpommes verwendet, die fast immer mit Sonnenblumenöl vorgebacken wurden. Dieses Öl ist aufgrund seiner hohen Menge an Omega 6-Fettsäuren und zuweilen auch noch versteckten Transfetten das eigentliche Problem, worauf ich in einem gesonderten Artikel nochmal eingehen werde. Deshalb greifen wir hier zu Olivenöl, welches ein deutlich besseres Fettsäurenprofil hat.
Gegen Kartoffeln ist ansonsten erst mal nicht viel einzuwenden, doch im Übermaß haben auch sie einen hohen glykämischen Index, was bekanntermaßen zu diversen Gesundheitsproblemen führt. Von daher sollte der Anteil an anderen Gemüsesorten höher sein. Das Wurzelgemüse würde ich aufgrund des Nährstoff- und Geschmacksverlusts nicht unbedingt schälen, erst recht nicht, wenn es sich um Biogemüse handelt. Gern könnt ihr auch experimentieren und andere Gemüsesorten wie beispielsweise Blumenkohl, Rosenkohl oder auch Sellerie verwenden. Beachtet hier nur die unterschiedlichen Garzeiten.
Die klassische Sauce ist zumeist eine dunkle Bratensauce, die es zum Beispiel in Kanada fertig in Dosen gibt und natürlich allerlei Zusätze aus der industriellen Trickkiste beinhaltet. Entsprechend rate ich auch von dem Gebrauch sogenannter Fertigsaucen von Maggi oder Knorr ab. Alternativ zur Champignon-Sauce könnt ihr natürlich auch eine richtige Bratensauce selber kochen. Diese ist allerdings recht zeitintensiv und hat nicht selten Rotwein als wichtige Grundzutat – beides bei der Verpflegung von Kindern nicht gerade ideal.
Beim Käse habt ihr wie gesagt die Qual der Wahl, je nachdem, welche Geschmäcker und Fließeigenschaften ihr bevorzugt. Die klassischen Cheese-Curds zerlaufen nämlich kaum, ein junger Mozzarella hingegen schon. Am nächsten kommt ihr der Poutine-Erfahrung noch mit Halloumi, da dieser ebenso seine Konsistenz unter Hitze behält und beim Essen ordentlich zwischen den Zähnen quietscht. In Kanada gilt dies als Qualitätsmerkmal für Cheese Curds aus besonders frischem, jungen Cheddar.

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