Eltern von Kleinkindern kennen zumeist das Problem: Was eben noch bei Baby-led Weaning oder in der Breiphase problemlos seinen Weg in den Kindermund gefunden hat, wird während der Autonomiephase plötzlich massiv in Frage gestellt: Gemüse. Dabei scheint es nicht immer einen nachvollziehbaren Grund für die urplötzliche Ablehnung von Rosenkohl, Rote Bete und Co. zu geben. Auch wir haben Arthurs Speiseplan von vornherein sehr gemüselastig gestaltet, was ursprünglich auch super klappte. Trotzdem sind seit einiger Zeit einige (zum Glück nur wenige) Gemüsesorten wie beispielsweise Brokkoli ganz und gar nicht mehr im Trend.
Um zu vermeiden, dass der eigene Nachwuchs das mühsam gekochte Bio-Gemüse nach dem ersten Bissen angeekelt aus dem Mund fingert und zurück auf den Teller befördert, habe ich hier nun ein simples und narrensicheres Pesto-Rezept für euch, das nach Belieben abwandelbar ist und (hoffentlich) selbst die größten Gemüsekritiker überzeugt:

Die Zutaten (für 4 Personen):
- 500g Spaghetti aus Linsen, Kichererbsen oder Dinkelvollkorn
- 1/2 Wirsingkopf
- 60ml Olivenöl extra vergine
- 2-3 Knoblauchzehen
- 1EL Nussmus (Cashew oder Mandel)
- 60g Parmegiano Reggiano
- schwarzer Pfeffer aus der Mühle


Die Zubereitung:
Die Spaghetti nach Packungsanleitung kochen. Den halben Wirsing von den äußersten Blättern befreien, gründlich waschen und in grobe Streifen schneiden. Anschließend in einen Topf mit wenig (!) kochendem Wasser geben und die abgezogenen Knochblauchzehen ungehackt direkt dazugeben. Den Wirsing und Knoblauch circa 30min kochen lassen, anschließend mit einer Lochkelle aus dem Kochwasser nehmen und in einen hohen Messbecher geben. Das Olivenöl, den Parmegiano und das Nussmus hinzugeben und die Mixtur nach Belieben pfeffern. Nun mit dem Stabmixer ein cremiges Pesto daraus pürieren. Die Nudeln mit dem Pesto auf Tellern anrichten und mit gehobeltem Parmegiano dekorieren.

Nützliche Zusatzinfos:
Wie immer ist es die beste Entscheidung, eure Zutaten in Bio-Qualität einzukaufen. Warum das gerade bei Nudeln aus Hartweizen bzw. Dinkel entscheidend ist und welche tollen Vorteile Nudeln aus Hülsenfrüchten bieten, habe ich euch schon in diesem Pasta-Rezept erläutert.
Beim Olivenöl lohnt sich nicht nur der Blick auf das Biosiegel und den Zusatz nativ bzw. extra vergine, auch die Herkunft ist nicht unerheblich. Viele Öle werden aus diversen Herkunftsländern der EU einfach zusammengepanscht, und es spricht umso mehr für die Qualität des Öles, wenn dieses beispielsweise von einem einzigen Produzenten in Griechenland oder Italien kommt. Auch wenn es nicht gerade günstig ist (das Olivenöl im Bild kostet bspw. bei Edeka 9,90€ auf 500 ml), empfehle ich euch diese Investition in gute Öle dringend. Ihr leistet damit einen wesentlichen Beitrag zu eurer Gesundheit und der eurer Kinder.
Was das Gemüse angeht, so könnt ihr natürlich viel experimentieren und jede andere Sorte ausprobieren, die eurer Kind für gewöhnlich eher verschmäht. Insbesondere mit anderen Kohlsorten wie Rosenkohl, Brokkoli oder Grünkohl sollte das Pesto auch gut klappen, und der Kohl punktet dabei noch mit vielen gesundheitlichen Vorteilen:
Kohlgemüse sind sogenannte Kreuzblütler und enthalten signifikante Mengen an Senfölglykosiden. Diese setzen bei mechanischen Einwirkungen wiederum Senföl frei, was für die Pflanze als Abwehrmechanismus dient – etwa, wenn eine Raupe an den Blättern knabbert. Wenn wir Menschen Kohl verzehren, haben wir ebenso den scharfen und etwas bitteren Geschmack auf der Zunge.
Die Senfölglykoside haben in jedem Fall zahlreiche gesundheitsfördernde Wirkungen: Zum einen wirken sie antibakteriell und antiviral, weshalb man sie auch als natürliche Antibiotika (nur eben ohne die ätzenden Nebenwirkungen) bezeichnet. Sie helfen uns bei der Infektabwehr, etwa bei Erkältungskrankheiten oder auch bei Blasenentzündungen. Zum anderen wirken sie auch stark antientzündlich, für mich persönlich sind sie daher ein weiterer wichtiger Baustein im Kampf gegen Arthurs entzündliche Muskelerkrankung.
Ein bestimmtes Senfölglykosid, das sogenannte Sulforaphan, sorgt seit einigen Jahren zudem sogar für positive Schlagzeilen in der Krebstherapie. Sulforaphan kommt vor allem in Brokkoli vor, doch wir können in Summe festhalten, dass alle Kohlsorten sehr gesund sind. Wenn ihr den Kohl im Topf gart, achtet nur darauf, möglichst wenig Wasser zu verwenden. Das Kochen löst die Nährstoffe aus dem Gemüse und diese sollen ja eigentlich auf den Tellern landen. Für die Zubereitung des Kohls eignet sich beispielsweise auch ein Schnellkochtopf (eine Anschaffung lohnt sich übrigens auch für dieses Knochenbrühen-Rezept), denn damit kann man die Kochzeit sogar noch halbieren.
Erwähnt sei außerdem noch, dass ich bei diesem Rezept extra auf Nussmus zurückgegriffen habe und keine ganzen Nüsse verwendet habe, selbst wenn man diese noch mörsern und/oder pürieren würde. Bei Kleinkindern oder älteren Kindern mit Schluckproblemen ist dies definitiv der sicherere Weg und ihr müsst euch bei der Zubereitung keine Sorgen dahingehend machen.
In jedem Fall habt ihr nun ein Rezept an der Hand, mit welchem ihr aus der Mode gekommene Gemüsesorten bei euren Kids ganz einfach wieder salonfähig machen könnt, zumal ihr nur wenige, hochwertige Zutaten braucht und die Zubereitung wirklich ein Kinderspiel ist.

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