Sie ist in aller Munde, denn sie fasziniert und beängstigt uns gleichermaßen: Künstliche Intelligenz. Wer wie ich im Informationssektor arbeitet und bisher eigene digitale Inhalte bereitgestellt hat, sorgt sich womöglich auch um den eigenen Job. Recherchieren, Artikel schreiben, Podcasts einsprechen, ja sogar Bilder und Videos produzieren – all das kann die KI deutlich schneller und effizienter als wir Menschen. Wie genau sie dabei langfristig unsere Arbeitswelt verändern wird, steht auf einem anderen Blatt Papier. Tatsache bleibt: KI ist auf dem Vormarsch und anstatt sich ihr zu entziehen, bleibt womöglich nur der Weg, mit ihr zusammenzuarbeiten. Und ihre nicht wenigen Vorteile anzuerkennen – zum Beispiel, wie sie uns bei der Ernährungsfürsorge für unsere Kinder vielseitig unterstützen kann.

Ich selbst begann vor einigen Monaten, mir die KI auch privat neben dem Job zunutze zu machen, indem ich beispielsweise Arthurs Blutanalysen erneut von ChatGPT auswerten ließ. Die KI bestätigte mich etwa in meiner Vermutung, dass ein überraschender Anstieg von Arthurs CK-Werten womöglich mit einer Grippeimpfung korrelierten, die er am Vortag der Blutentnahme erhalten hatte. Selbstverständlich ließ ich mir von ChatGPT die entsprechenden Quellen zeigen, die diese Theorie bestätigten. Ich wollte auf keinen Fall in die so oft beklagte Falle tappen, dass manche Nutzer:innen bedingunslos jede Fehlinformation glauben, die die künstliche Intelligenz potenziell auswerfen kann.

ChatGPT hat mir beispielsweise geholfen, Arthurs CK-Messungen im Verlauf auszuwerten.

KI schafft Verständnis und kulturelle Brücken

Doch auch in anderer Hinsicht war mir ChatGPT schon eine große Hilfe – etwa, wenn es um Solidarität und kulturübergreifendes Netzwerken geht. In Arthurs Kita gibt es ein weiteres Mädchen mit motorischem Handicap. Ihre Bewegungsstörungen resultieren allerdings nicht aus einer Muskelkrankkeit, sondern aus einem Schlaganfall, den sie vor etwa einem Jahr erlitt. Ich kam mit ihrem Vater, einem Syrer, der nur gebrochen Deutsch spricht und unsere Sprache weder lesen noch schreiben kann, ins Gespräch. Er war traurig darüber, dass seine Tochter bis dato so wenige Fortschritte erzielt hatte, und entsprechend offen und dankbar für neue Ansätze. Das Thema Ernährung hatte in ihrer gesundheitlichen Versorgung und Rehabilitation bisher kaum eine Rolle gespielt. Das wollte ich ändern.

Zuhause schilderte ich ChatGPT den Fall und wir entwickelten gemeinsam eine einfache Übersichtstabelle mit den Do’s & Don’ts in Sachen gesunde Ernährung. Anschließend übersetzte die KI mir das Dokument in makelloses Arabisch (was ich hinterher durch die Rückwärtsübersetzung per Deepl nochmals prüfte), sodass ich dem Vater schon am nächsten Tag meine Vorschläge mittels eines einfachen und verständlichen Handouts unterbreiten konnte. Auch, wenn ich nicht weiß, wie genau sich diese Familie nun an meine Empfehlungen halten wird, verbuche ich die ganze Sache dennoch als großen Erfolg: Die KI hat es möglich gemacht, sprachliche Barrieren in kürzester Zeit zu überwinden, und meine Tipps werden vielleicht einen kleinen Unterschied im Leben dieses Mädchens machen. Sicherlich wäre dies auch früher möglich gewesen, aber in jedem Fall mit deutlich mehr Aufwand.

In Sekundenschnelle akkurat übersetzt: Ernährungstipps auf Arabisch.

Rezeptvorschläge und Resteverwertung

Die KI kann aber noch mehr – beispielsweise im alltäglichen Stress und Familienwahnsinn dafür sorgen, dass die gesunde Ernährung dennoch nicht zu kurz kommt. Seit einer Weile hat sich bei uns etwa die Tradition etabliert, dass wir an einem Wochenendvormittag Pancakes machen. Natürlich wollte ich den USA-Klassiker aber von vornherein nicht auf die konventionelle Art mit schnödem Weißmehl und viel zu viel Zucker zubereiten. Also hat Gemini mir sinnvolle Vorschläge gemacht, wie ich mit Haferflocken, Vollkornmehl, Quark, Eiern und Nusmus deutlich mehr Proteine und gute Fette in den Teig bekomme – sodass dieses eigentlich sündige amerikanische Frühstück plötzlich als nährstoffdichte Powermahlzeit daherkommt. Das dazugehörige Rezept teile sicher sehr bald hier auf diesem Blog.

Auch Google Gemini eignet sich als praktischer Alltagsberater für gesunde Rezepte.

Auf der anderen Seite hilft die künstliche Intelligenz auch jenen, die mal wieder planlos vor ihrem geöffneten Kühlschrank oder ihrer Vorratskammer stehen und sich mit der existenziellen Frage „Was soll ich kochen?“ das Hirn zermartern. So habe ich ChatGPT schon des Öfteren mit den Zutaten gefüttert, die ich noch im Haus hatte und die KI gefragt, was man daraus noch basteln könnte. Meine Hinweise, dass es möglichst gesund und beispielsweise an eine bestimmte Landesküche (asiatisch, lateinamerikanisch…) angelehnt sein soll, hat sie dabei stets berücksichtigt und sehr vernünftige Ergebnisse ausgespuckt. Der große Vorteil von ChatGPT, Gemini und Co. ist schließlich, dass sie in kürzester Zeit auf zahlreiche Quellen (wie etwa Rezeptseiten) zugreifen und diese sinnvoll miteinander kombinieren können.

Mahlzeitenoptimierung und detaillierte Auswertung

Last but not least nutze ich die künstliche Intelligenz mittlerweile auch, um mir aufdröseln zu lassen, ob die Gerichte, die ich für Arthur und den Rest der Familie zubereite, genügend Mikro- und Makronährstoffe beinhalten und wie ich diese Mahlzeiten gegebenenfalls zukünftig noch aufwerten kann. Das lässt sich sowohl beschränkt auf einzelne Hauptmahlzeiten ausloten, als auch bezogen auf ganze Ernährungsprotokolle, die Aufschluss darüber geben, was Arthur beispielsweise innerhalb mehrerer Tage alles an Nährstoffen aufgenommen hat.

Sofern man Ernährungsprotokoll führt, kann man dieses auch ausführlich von ChatGPT auswerten lassen.

Die KI analysiert, ordnet ein und gibt Empfehlungen – Dinge, die ich mir eigentlich von einer begleitenden Medizinerin oder einem Ernährungsberater wünschen würde. Und ja, natürlich kann eine künstliche Intelligenz Fehler machen. Das können Menschen (und dazu zählen schließlich auch Ärzte) allerdings ebenso. Egal, woher wir uns unser Wissen und unsere Anregungen holen: Alles blind aufzusaugen und nicht gewissenhaft zu reflektieren, sollte sowieso nie eine Option sein – ob wir nun die KI fragen, jemanden aus dem familiären Umfeld oder eine/n Expert:in. Gleichzeitig bin ich froh und dankbar, in einem aufgeklärten digitalen Zeitalter zu leben, in dem sich mündige Patienten(familien) ihre benötigten Informationen einfach selbst beschaffen können. Und mit der KI einen praktischen Partner an ihrer Seite haben, der ihnen nicht nur Zeit und mühsame Recherche erspart, sondern – richtig eingesetzt – auch einen großen Unterschied in Sachen Lebensqualität und selbstwirksame Gesundheitsfürsorge machen kann.

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